Zurück zum Blog
wellness67 Aufrufe

Burnout bei Therapeuten: Warum Dokumentation oft die unterschätzte Ursache ist

Therapeuten helfen anderen bei Burnout, doch ihre eigene Überlastung wird oft durch Dokumentationsstress ausgelöst. Wie administrative Lasten zur unterschätzten Hauptursache werden.

Psynex Team

Lesezeit: 6 Minuten

Es ist Donnerstagabend, 20:30 Uhr. Die letzte Sitzung ist vorbei, der Warteraum leer. Doch nach Hause gehen? Noch nicht. Da sind noch vier Berichte zu schreiben, zwei Anträge auszufüllen und die Notizen von gestern nachzutragen. Was als Berufung begann, fühlt sich zunehmend wie eine Mühle an. Das Paradoxe daran: Wir Therapeuten helfen Menschen dabei, ihre Belastungsgrenzen zu erkennen und Burnout vorzubeugen. Doch wenn es um uns selbst geht, übersehen wir oft die Warnsignale.

Burnout bei Therapeuten ist kein Randphänomen mehr. Studien zeigen erschreckende Zahlen: Zwischen 21 und 67 Prozent der Psychotherapeuten zeigen Symptome emotionaler Erschöpfung. Während wir über Selbstfürsorge sprechen, läuft im Hintergrund eine stille Krise ab. Und ein Faktor wird dabei systematisch unterschätzt: die Dokumentationslast.

Die unsichtbare Last: Was Studien über administrative Belastung zeigen

Wenn wir an Burnout-Ursachen im therapeutischen Beruf denken, fallen uns schnell die offensichtlichen Kandidaten ein. Emotionale Belastung durch schwierige Fälle. Übertragung und Gegenübertragung. Existenzielle Themen wie Suizidalität. Diese Faktoren sind real und bedeutsam.

Doch eine amerikanische Studie aus 2022 brachte etwas Überraschendes ans Licht: Administrative Aufgaben wurden von Therapeuten als zweitstärkster Prädiktor für Burnout genannt, direkt nach der emotionalen Belastung durch Klientenkontakt. In Deutschland sieht es nicht anders aus. Eine Befragung der Bundespsychotherapeutenkammer ergab, dass niedergelassene Psychotherapeuten durchschnittlich 8 bis 12 Stunden pro Woche mit Dokumentation, Berichtswesen und Verwaltung beschäftigt sind.

Rechnen wir das hoch: Bei einer 40-Stunden-Woche bedeutet das, dass ein Viertel bis ein Drittel der Arbeitszeit nicht dem widmet, wofür wir ausgebildet wurden. Nicht der Therapie. Nicht der Heilung. Sondern Papierkram.

Das Problem verschärft sich durch die Tagesstruktur. Dokumentation findet selten während der regulären Arbeitszeit statt. Sie passiert abends, am Wochenende, in den Pausen, die eigentlich zur Regeneration dienen sollten. Dokumentation findet selten während der regulären Arbeitszeit statt. Sie passiert abends, am Wochenende, in den Pausen, die eigentlich zur Regeneration dienen sollten. Die Therapiesitzungen selbst lassen sich noch mit Energie bewältigen. Aber abends um 19 Uhr vor den Notizen zu sitzen, während noch fünf Berichte warten – das ist der Moment, in dem sich für viele alles sinnlos anfühlt.

Warum gerade Dokumentation so zermürbend wirkt

Was macht Dokumentation zu einem so spezifischen Burnout-Faktor? Es ist nicht nur die Zeit. Es ist die Natur der Tätigkeit selbst.

Erstens: Dokumentation ist repetitiv und fragmentiert unsere Aufmerksamkeit. Nach einer intensiven Therapiesitzung, in der wir voll präsent waren, müssen wir in einen völlig anderen Modus wechseln. Von empathischem Zuhören zu administrativer Präzision. Von Beziehungsarbeit zu Formularlogik. Dieser ständige Kontextwechsel ist kognitiv erschöpfend. Forschung zur "Attention Residue" zeigt, dass unser Gehirn nicht sofort umschalten kann. Teile unserer Aufmerksamkeit bleiben an der vorherigen Aufgabe hängen.

Zweitens: Es gibt keine unmittelbare Gratifikation. Wenn eine Sitzung gut läuft, spüren wir die Verbindung, sehen vielleicht einen Durchbruch. Dokumentation hingegen fühlt sich wie eine Pflichtübung an. Niemand dankt uns für einen gut formulierten Bericht. Es gibt kein Erfolgserlebnis, nur das Abhaken einer weiteren Aufgabe.

Drittens: Die Angst vor Fehlern. Jede Dokumentation ist auch rechtlich relevant. Ein fehlender Eintrag, eine ungenaue Formulierung können im Konfliktfall problematisch werden. Diese latente Sorge erzeugt zusätzlichen Druck. Wir müssen nicht nur dokumentieren, sondern perfekt dokumentieren.

Der Teufelskreis: Wie Dokumentationsstress Burnout beschleunigt

Burnout entwickelt sich in Phasen. Christina Maslach, Pionierin der Burnout-Forschung, beschreibt drei Kerndimensionen: emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit. Dokumentationsstress wirkt auf alle drei ein.

Emotionale Erschöpfung entsteht durch chronische Überlastung. Wenn die Abende nicht der Erholung dienen, sondern dem Nacharbeiten, fehlt Regenerationszeit. Der Akku lädt nie vollständig auf. Studien zeigen, dass fehlende Erholungsphasen der stärkste Prädiktor für emotionale Erschöpfung sind, noch vor der Intensität der Arbeit selbst.

Depersonalisierung, das Gefühl innerer Distanz zu Klienten, entwickelt sich als Schutzmechanismus. Wenn wir ständig unter Zeitdruck stehen und wissen, dass nach jeder Sitzung noch Dokumentation wartet, beginnen wir unbewusst, Sitzungen abzukürzen oder weniger tief einzusteigen. Klienten werden zu "Fällen", die möglichst effizient "abgearbeitet" werden müssen. Genau das Gegenteil dessen, wofür wir angetreten sind.

Reduzierte Leistungsfähigkeit schließlich entsteht, wenn wir merken, dass wir weder die Dokumentation noch die Therapie so machen können, wie wir es für richtig halten. Dieser Kontrollverlust nagt am Selbstwert. "Ich schaffe es nicht mal, meine Notizen zeitnah zu schreiben. Wie soll ich da gute Therapie machen?"

Der Teufelskreis schließt sich: Stress durch Dokumentation führt zu schlechterer Selbstfürsorge, was wiederum zu mehr Fehlern und Verzögerungen in der Dokumentation führt, was den Stress erhöht.

Selbstfürsorge beginnt bei strukturellen Veränderungen

Wir kennen alle die Standard-Ratschläge zur Burnout-Prävention. Mehr Pausen. Supervision. Sport. Meditation. Das ist nicht falsch. Doch wenn wir ehrlich sind: Wie oft hören wir diese Empfehlungen und denken insgeheim "Wann denn?"

Das Problem ist, dass viele Selbstfürsorge-Strategien zusätzliche Zeit erfordern, die wir nicht haben. Hier liegt ein Denkfehler: Echte Selbstfürsorge im Therapeuten-Kontext bedeutet nicht primär, mehr Dinge zu tun. Sondern die Belastung an der Wurzel anzugehen. Strukturelle Veränderungen statt individueller Kompensation.

Was könnte das konkret bedeuten? Einige Therapeuten haben begonnen, feste Dokumentationszeiten in ihren Kalender zu blocken, direkt nach Sitzungen. 15 Minuten nach jeder Sitzung, nicht verhandelbar. Das verhindert den Stau am Abend. Andere haben ihre Notizstruktur radikal vereinfacht. Statt ausführlicher Berichte nutzen sie Templates mit vordefinierten Kategorien. Weniger Freitext, mehr Struktur. Das senkt die kognitive Last.

Manche Praxen haben administrative Assistenz angestellt, die zumindest Teile der nicht-klinischen Dokumentation übernimmt. Rezepte, Terminverwaltung, Abrechnungsvorbereitung. Ja, das kostet Geld. Aber die Rechnung geht oft auf, wenn wir die gewonnene Zeit in zusätzliche Sitzungen investieren können oder einfach in mentale Gesundheit, die langfristig die Berufsfähigkeit erhält.

Technologie als Teil der Lösung, nicht des Problems

Ein Einwand, den ich häufig höre: "Noch ein digitales Tool? Das macht doch alles nur komplizierter." Verständlich. Viele von uns haben Erfahrungen mit klobiger Praxissoftware gemacht, die mehr Probleme schafft als löst.

Doch hier lohnt sich Differenzierung. Technologie kann Belastung erhöhen, wenn sie schlecht designt ist oder uns zu Arbeitsschritten zwingt, die keinen Sinn ergeben. Sie kann aber auch entlasten, wenn sie echte Pain Points adressiert.

Nehmen wir das Beispiel Dokumentation. Nach einer 50-Minuten-Sitzung aus dem Gedächtnis einen kohärenten Bericht zu schreiben, ist kognitiv anspruchsvoll. Wir müssen uns erinnern, strukturieren, formulieren. Moderne KI-gestützte Tools bieten hier verschiedene Wege, die sich dem eigenen Arbeitsstil anpassen: Die Sitzung kann mit Einverständnis des Patienten aufgezeichnet und automatisch transkribiert werden. Wer das nicht möchte, kann direkt nach der Sitzung per Diktat eine kurze Zusammenfassung sprechen. Oder man tippt lediglich Stichpunkte und Kerndaten ein – die KI formuliert daraus einen vollständigen Bericht. In jedem Fall überprüft und ergänzt der Therapeut, statt bei null anzufangen.

Oder Symptom-Tracking: Statt in jeder Sitzung von vorne nach Schlaf, Appetit, Stimmung zu fragen und zu notieren, können automatisierte Analysen Muster erkennen. "In den letzten vier Sitzungen war Schlafqualität konstant bei 3 von 10, Angst-Level schwankend zwischen 6 und 8." Das liefert klinisch wertvolle Informationen und spart Zeit.

Wichtig ist: Technologie sollte sich unserer Arbeitsweise anpassen, nicht umgekehrt. Sie sollte im Hintergrund arbeiten und uns mehr Zeit für das geben, was zählt: den therapeutischen Kontakt.

Genau hier setzt Psynex an. Die Software wurde von Grund auf für Psychotherapeuten im DACH-Raum entwickelt, mit tiefem Verständnis für die spezifischen Anforderungen und Belastungen unseres Berufs. Psynex unterstützt alle drei Dokumentationswege: automatische Transkription von Sitzungsaufnahmen, Diktierfunktion für schnelle Zusammenfassungen nach der Sitzung und die Möglichkeit, Stichpunkte einzugeben, die von der KI zu vollständigen Berichten ausformuliert werden. Darüber hinaus erstellt das System KI-gestützte Behandlungspläne und Fortschrittsbewertungen...

Die Entscheidung für Nachhaltigkeit statt Durchhalten

Burnout bei Therapeuten ist mehr als ein individuelles Problem. Es ist ein systemisches Thema, das die Qualität der Versorgung gefährdet. Wenn Therapeuten ausbrennen, leiden nicht nur sie selbst. Es fehlen Behandlungsplätze, Wartelisten werden länger, und letztlich können wir unseren Klienten nicht mehr die Unterstützung bieten, die sie brauchen.

Die gute Nachricht: Wir müssen nicht passiv zusehen. Indem wir Dokumentationslast als echten Burnout-Faktor anerkennen und aktiv angehen, schaffen wir Raum für das, was wirklich zählt. Das ist keine Bequemlichkeit, sondern professionelle Verantwortung. Selbstfürsorge ist nicht egoistisch, sie ist Voraussetzung für nachhaltige, qualitativ hochwertige Therapie.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Frage umzudrehen. Nicht: "Wie halte ich noch länger durch?" Sondern: "Was muss sich ändern, damit ich diesen Beruf noch 20 Jahre mit Freude ausüben kann?"

Dokumentation wird nicht verschwinden. Aber wir können entscheiden, wie viel Raum sie in unserem Leben einnimmt. Ob sie uns zermürbt oder ob wir Wege finden, sie so zu gestalten, dass sie uns dient statt uns zu beherrschen.

Der erste Schritt ist oft der schwerste: Anzuerkennen, dass etwas nicht stimmt. Dass die aktuelle Situation nicht normal ist und nicht normal sein muss. Du bist nicht schwach, wenn du an die Grenze kommst. Du bist menschlich. Und du hast es verdient, eine Praxis zu führen oder in einer Klinik zu arbeiten, ohne dabei deine eigene Gesundheit zu opfern.

Konkrete nächste Schritte

Wenn du dich in diesem Artikel wiedergefunden hast, hier einige konkrete Ansatzpunkte:

Erstens: Tracke eine Woche lang, wie viel Zeit du wirklich mit Dokumentation verbringst. Nicht schätzen, sondern messen. Oft ist die tatsächliche Zahl höher als gedacht. Das schafft Bewusstsein.

Zweitens: Identifiziere die größten Zeitfresser. Sind es Berichte an Gutachter? Verlaufsdokumentationen? Abrechnungen? Unterschiedliche Probleme brauchen unterschiedliche Lösungen.

Drittens: Experimentiere mit einer strukturellen Veränderung. Nicht alles auf einmal, aber etwas. Feste Dokumentationszeiten. Ein Template. Ein Tool. Gib dem Experiment vier Wochen und bewerte dann ehrlich: Hat es geholfen?

Viertens: Sprich mit Kollegen. Burnout gedeiht in der Isolation. Wenn wir teilen, wie es uns wirklich geht, merken wir oft: Ich bin nicht allein. Und manchmal hat jemand eine Lösung gefunden, die auch für uns funktionieren könnte.

Wenn du dich für digitale Unterstützung interessierst, kannst du Psynex sieben Tage lang kostenlos testen. Keine Kreditkarte nötig, keine Verpflichtung. Einfach ausprobieren, ob es deinen Workflow erleichtert. Viele Therapeuten berichten, dass schon die automatische Transkription einen spürbaren Unterschied macht.

Bleib informiert über Selbstfürsorge und Praxismanagement

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über die Realitäten therapeutischer Arbeit im DACH-Raum. Wenn du regelmäßig evidenzbasierte Einblicke, Studien-Updates und praktische Tipps zu Themen wie Burnout-Prävention, effizienter Praxisführung und digitaler Unterstützung erhalten möchtest, abonniere unseren Newsletter.

Wir schicken dir einmal im Monat sorgfältig recherchierte Inhalte, die dir im Praxisalltag wirklich weiterhelfen. Keine Werbung, kein Spam. Nur substanzielle Informationen von Menschen, die verstehen, wie Therapie-Alltag funktioniert.

Du kannst dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden. Deine Daten werden selbstverständlich DSGVO-konform behandelt und niemals an Dritte weitergegeben.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Erhalten Sie praktische Tipps zu Dokumentation, KI in der Psychotherapie und Updates zu neuen Psynex-Features. Kein Spam, nur relevante Inhalte.

Newsletter abonnieren

1-2 E-Mails pro Monat • Jederzeit abmelden